Frankfurter Psychiatriewoche 2022

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Besucher*innen, Veranstalter*innen und Interessierte an der Frankfurter Psychiatriewoche 2022,

die Frankfurter Psychiatriewoche 2022 wird in diesem Jahr bereits am Mittwoch, den 07. September offiziell eröffnet und endet am Freitag, den 16.09.2022.

Für die Vorbereitungsgruppe sind im Einsatz:

Gerlinde Heusser, Andrea Kempf, Prof. Dr. Sibylle C. Roll, Colet Brocks, Ellen Krier, Dr. med. Christiane Schlang, Dragana Trifkovic


Grußwort von Stadtrat Stefan Majer

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Ihnen unser diesjähriges Programm der Frankfurter Psychiatriewoche vorzustellen, die vom 7. bis zum 16. September wieder zahlreiche Aspekte rund um das Thema Psychiatrie im Rahmen von Vorträgen, Workshops, Konzerten und zahlreichen anderen Formaten beleuchten wird.

In den zurückliegenden beiden Jahren hat das Thema Corona auch die Psychiatriewoche maßgeblich beeinflusst. Einerseits natürlich, weil die üblichen Formate, die vor allen Dingen von den Begegnungen und dem direkten persönlichen Austausch und Erleben geprägt waren, so nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich waren. Andererseits führte die Pandemie auch zu großen zusätzlichen Belastungen und Verwerfungen im Hinblick auf die seelische Gesundheit und Stabilität vieler Menschen. Dies betraf und betrifft nicht nur Personen, die sich bereits in einer instabilen Situation befanden. Auch Menschen, die bisher gesund und stabil ihr Leben selbst meisterten, gerieten durch die Einschränkungen und Belastungen der Corona-Pandemie ins Straucheln. Erschreckenderweise finden sich darunter zahlreiche junge Menschen und auch Kinder. Der über lange Zeit fehlende Kontakt zu Freund:innen, das Wegbrechen von Alltagsstrukturen und das Fehlen von ausgleichenden Sport- und Kulturangeboten haben auch für diese Altersgruppen dramatische Konsequenzen. Mit all diesen Folgen, die in ihrer Gänze noch nicht erfasst sind, umzugehen und adäquate Hilfeangebote zu entwickeln, wird uns sicherlich noch eine lange Zeit fordern.

Als ob dies nicht schon Herausforderung genug wäre, sind wir alle nun mit dem sinnlosen Krieg in der Ukraine konfrontiert. Mit der Farbgestaltung des Programmheftes, möchte die Fachgruppe Psychiatrie sich mit den Ukrainerinnen und Ukrainern solidarisieren, die sich nun schon viel zu lange in diesem Krieg befinden, den sie nicht gewollt und nicht zu verantworten haben.

Andererseits soll sie auch deutlich machen, dass mit diesem Konflikt unsere Hilfesysteme und -angebote rund um das Thema seelische Gesundheit nochmals vor weitere zusätzliche Aufgaben gestellt werden. Ein wichtiger Aspekt ist die Traumatisierung der Geflüchteten und deren psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung. Wir wissen aktuell nicht, wie viele Menschen betroffen sind und wie viele von ihnen professionelle Unterstützung benötigen. Aber es ist unsere Aufgabe, die Bedürftigen zu identifizieren und bestmöglich zu betreuen. Zum anderen werden auch wir tagtäglich mit den Themen Gewalt, Tod und Vernichtung konfrontiert. Bei vielen älteren Menschen, die den zweiten Weltkrieg und seine Folgen durchgemacht haben oder auch Menschen, die z. B. die Jugoslawienkriege miterlebt haben oder aus Krisengebieten geflohen sind, werden durch die schrecklichen Bilder aus der Ukraine eigene Erfahrungen – Gewalt, Bombenangriffe, Hunger, Verfolgung und Vertreibung – reaktualisiert. Für sie und ihre Erinnerungen und Erlebnisse müssen wir uns ebenfalls Zeit nehmen.

Doch auch an jungen Menschen gehen die aktuellen Geschehnisse nicht spurlos vorüber. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Trendstudie „Jugend in Deutschland – Sommer 2022“. Manche der jungen Menschen befürchten eine Ausweitung des Krieges oder dass sie selbst werden kämpfen müssen.
Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Behinderungen sind nicht nur besonders gefährdet, sie spüren meist sehr stark die sozialen Auswirkungen: Steigende Lebenshaltungskosten wirken sich genauso auf die Lebensqualität aus, wie die Sorge, durch die wirtschaftliche Situation mit Einschränkungen in der psychosozialen Versorgung konfrontiert zu werden.

Auf die Stadt Frankfurt kommt wieder einmal eine große Integrationsaufgabe zu. Daher freue ich mich, dass sich außer mir meine Kolleg:innen aus den Dezernaten für Soziales, Jugend, Familie und Senior:innen sowie Diversität, Antidiskriminierung und gesellschaftlicher Zusammenhalt um die Organisation der psychosozialen Versorgung kümmern.
Das vorliegende Programm deckt in seiner Breite viele Bereiche und Facetten ab. Einige Formate zielen darauf ab, sich aktiv mit den vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit auseinanderzusetzen. Andere wiederum wollen helfen, gerade diese Herausforderungen für einen Moment zu vergessen um der Seele etwas Ruhe geben zu können. Beides ist wichtig und ich lade Sie ein und ermuntere Sie, für Sie passende Angebote zu finden und wahrzunehmen.
Abschließend möchte ich mich bei den Organisator:innen der Psychiatriewoche, den Veranstalter:innen und all denjenigen bedanken, die diese wunderbare Frankfurter Tradition nach all den Jahren nicht nur fortführen, sondern konsequent weiterentwickeln.

Herzlichst, Ihr Stefan Majer
Gesundheitsdezernent der Stadt Frankfurt am Main


Vermeidung von Zwang

Postkartenaktion während der Psychiatriewoche

Vor inzwischen mehr als 50 Jahren wurden vor dem Hintergrund menschenunwürdiger Zustände in der Psychiatrie die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP) und die Aktion psychisch Kranke e.V. gegründet. Seitdem gibt es nicht nur ein zunehmendes Bewusstsein für vorhandene Missstände in der psychiatrischen Versorgung, auch gesetzliche Grundlagen zur Wahrung der Rechte psychisch kranker Menschen wurden geschaffen.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN) widmet sich dem Thema „Verhinderung von Zwang“ in einer eigenen wissenschaftlichen Leitlinie. Dennoch wurden bis heute nicht alle Kernforderungen der Psychiatriereform umgesetzt und ob das, was getan wurde, wirklich zu einer Verbesserung der Situation psychisch kranker Menschen geführt hat, muss kritisch analysiert werden.

In Frankfurt arbeiten wir kontinuierlich an einer besseren Koordination und Vernetzung der Hilfs- und Unterstützungsangebote, der Weiterentwicklung der Angebotsstruktur, der Einbeziehung von Betroffenen und ihren Angehörigen und der Entstigmatisierung psychischer Störungen.
Vor diesem Hintergrund plant die Psychiatriekoordination im Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt am Main gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des Gemeindepsychiatrischen Verbundes, der Kliniken, der EX-IN Akademie, der Arbeitsgemeinschaft der Angehörigen psychisch Kranker Hessen sowie dem Hessisches Ministerium für Soziales und Integration im kommenden Jahr eine Veranstaltung zur Vermeidung von Zwang.
Zur inhaltlichen Vorbereitung benötigen wir Ihre Unterstützung!

Während der Psychiatriewoche liegen an den Veranstaltungsorten Postkarten aus, die Sie in die aufgestellten Kästen werfen oder uns zuschicken können. Uns interessieren Ihre Themen und Wünsche:

  • Welches Themenfeld sollten wir im Rahmen der Veranstaltung in den Focus rücken?
  • Haben Sie konkrete Ideen zur Vermeidung von Zwang?
  • Wer sollte auf jeden Fall an der geplanten Veranstaltung beteiligt werden?
  • etc.

Nutzen Sie die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen! Und tun Sie das bitte auch im Rahmen der diesjährigen Psychiatriewoche. Besuchen Sie die vielen interessanten Veranstaltungen, seien Sie offen für Neues, stellen Sie Fragen und kommen Sie miteinander ins Gespräch.