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Brief von Prof. Dr. med. S. C. Roll, Klinikum Frankfurt Höchst

24. September 2021, 8:00 - 17:00

Liebe Gäste der Psychiatriewoche Frankfurt,

sehr gerne hätte ich Sie persönlich in der Klinik für psychische Gesundheit begrüßt und Sie über die Neuerungen in der Klinik informiert. Pandemiebedingt und zu Ihrem und unserem Schutz ist dies leider nicht möglich. Daher haben das Organisationteam und ich beschlossen, dass ich Ihnen mit diesem Brief einen kurzen  Überblick über Neues aus unserer Klinik gebe.

 

Qualitätsmanagement der Klinik für psychische Gesundheit zertifiziert

Wir haben erfolgreich ein Qualitätsmanagementsystem eingeführt, das die Anforderungen der internationalen Qualitätsnorm DIN EN ISO 9001:2015 erfüllt. Dies wurde kürzlich von den unabhängigen Gutachter:innen des TÜV Nord Cert attestiert. In diesem Zusammenhang wurden nicht nur die strukturellen Qualitätsmerkmale wie Ausstattung und therapeutisches Angebot der Einrichtung überprüft, sondern auch die Umsetzung der therapeutischen Konzepte in den stationären und tagesklinischen Bereichen sowie die Weiterbildungsmöglichkeiten für unsere Mitarbeiter:innen.

Unsere geschützte Station wurde nach einem modernen Raum- und Lichtkonzept gestaltet. Dazu gehören helle freundliche Zimmer, eine der Tageszeit anpassbare Lichttechnik, nach Themen gestaltete Flure, Speisen- und Aufenthaltsräume, von Künstlern erstellte Bilder sowie ein innovativer Kriseninterventionsraum mit interaktiver Medienwand. Hier können Menschen, die sich in einer akuten psychischen Krise befinden, ihre Rückzugsmöglichkeit finden. Mittlerweile ist diese Station D42 zu einer „Vorzeigestation“ geworden. Wir erhalten sogar regelmäßig Anfragen von Kolleg:innen, die sich in der Neubauplanung befinden und die Station gerne anschauen möchten.

Bei Übernahme der Klinik durch mich im November 2020 traf ich auf ein sehr erfahrenes, hochkompetentes und veränderungsbereites Team. Mit diesem Team ist es gelungen, nicht nur den Namen der Klinik zu verändern und damit zu signalisieren, dass wir uns im Aufbruch und auf einem neuen Weg befinden, sondern auch inhaltliche Veränderungen zu etablieren. In einer multiprofessionell besetzten Steuerungsgruppe wurde ein Leitbild für die Klinik entwickelt, das durch die Mitarbeiter:innen mit Leben gefüllt und gelebt wird.

 

Neue Therapieverfahren

Im Juni des Jahres haben wir begonnen, die Stationsteams in evidenzbasierten Therapieverfahren wie beispielsweise Traumatherapie, DBT (dialektisch-behaviorale Therapie nach Marsha Linehan) und Schematherapie berufsgruppenübergreifend zu schulen. Es werden noch Schulungen zu CBASP (Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy) zur Behandlung der chronischen Depression, Motivational Interviewing und DBT S(ucht) zur Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen und Abstinenzförderung, Metakognitives Training zur Behandlung beispielsweise chronisch wahnhafter Symptome, DBT bei Menschen mit kognitiven Einschränkungen und nichtmedikamentöse Therapieformen zur Behandlung gerontopsychiatrischer Krankheitsbilder sowie Safewards zur Reduktion von Zwang und Gewalt im Akutbereich folgen.
Diese Therapieformen werden wir auf Schwerpunktstationen im Laufe des kommenden Jahres implementieren, damit wir ein zeitgemäßes, krankheitsspezifisches und leitlinienorientiertes Behandlungskonzept vorhalten können.

Unsere multiprofessionellen Teams, bestehend aus  Ärzt:innen, psychologischen Psychotherapeut:innen, spezifisch ausgebildetem Pflegepersonal, Sozialarbeiter:innen, Kunst- und Ergotherapeut:innen sowie Physio-, Tanz- und Bewegungstherapeut:innen arbeiten nach dem Prinzip der partizipativen Entscheidungsfindung (shared decision making). Hierbei werden diagnostische und therapeutische Maßnahmen mit den psychisch erkrankten Menschen gemeinsam abgestimmt. Selbstverständlich für uns ist eine moderne Pharmakotherapie, die sich an den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert, mit möglichst nebenwirkungsarmen Präparaten. Um eine individuelle und maßgeschneiderte medikamentöse Behandlung durchführen zu können, besteht die Möglichkeit pharmakogenetischer Untersuchungen. Grundsätzlich passen wir die Behandlung individuell auf das Krankheitsbild und die Persönlichkeit der sich in unserer Behandlung befindenden Menschen an.

 

Zusammenarbeit mit Psychiatrie-Erfahrenen und Angehörigen

Besonders wichtig ist uns die Zusammenarbeit mit Psychiatrie-Erfahrenen und Angehörigen, die wir zukünftig in Projekte und Fortbildungsveranstaltungen einbinden wollen. Wir planen die Einstellung von Genesungsbegleitern und die Etablierung einer Peer-to-Peer-Beratung im Akutbereich. Neben regelmäßigen tria- und tetralogischen Veranstaltungen zu bestimmten Krankheitsbildern ist die Etablierung des „opendialogue“ in Planung.

Unser Motto lautet „von Mensch zu Mensch“. Daher wollen wir perspektivisch spezielle Angebote für die Menschen vorhalten, die oft „durch die Maschen“ des Gesundheitssystems fallen: Menschen mit psychischer Erkrankung, die keinen festen Wohnsitz und oft auch kein Obdach haben. Hierzu benötigen wir die Zusammenarbeit aller sich im gemeindepsychiatrischen Verbund – der mich sehr herzlich aufgenommen hat – befindlichen Partner.

Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit und hoffen, Sie persönlich als Gäste unserer Veranstaltungen im Rahmen der Psychiatriewoche 2022 bei uns begrüßen zu dürfen. Der Psychiatriewoche 2021 wünschen wir viel Erfolg und gutes Gelingen!

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Prof. Dr. med. S. C. Roll
Clinical Assistant Professor
University of Florida
Chefärztin

Details

Datum:
24. September 2021
Zeit:
8:00 - 17:00
Veranstaltungskategorie:
Webseite:
https://www.kliniken-fmt.de/klinikum-frankfurt-hoechst/psychische-gesundheit

Veranstalter

Klinik für psychische Gesundheit Lehrklinik für Psychotherapie des FB05 der Goethe-Universit t Frankfurt
Telefon:
+49 69 3106-2923
E-Mail:
psychiatrie@KlinikumFrankfurt.de
Webseite:
https://www.kliniken-fmt.de/klinikum-frankfurt-hoechst/psychische-gesundheit